5 Tipps zur Optimierung des Energieverbrauchs im Winterbetrieb von Gebäuden

Konkrete Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs in der Heizperiode – Heizung, Lüftung und BMS

Der Winter ist Hochsaison für den Energieverbrauch in Bürogebäuden, Einzelhandelsflächen, Schulen, Einrichtungen und anderen öffentlichen Gebäuden. Mit steigendem Heizbedarf können bereits kleine Fehler im Betrieb oder in der Regelung schnell teuer werden – sowohl in Bezug auf die Energiekosten als auch auf den Komfort der Gebäudenutzer.

Ein hoher Energieverbrauch im Winter ist selten auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Häufig ist es das Ergebnis mehrerer Faktoren: Systeme, die nicht optimal zusammenspielen, Einstellungen, die über längere Zeit nicht angepasst wurden, und fehlende Transparenz darüber, wie das Gebäude im Alltag tatsächlich betrieben wird.

Im Folgenden teilt unser Energieberater fünf praxisnahe Tipps auf Basis von Erfahrungen aus dem Betrieb großer Gebäudebestände.

Key
Takeaways

  • Die größten Energieeinsparungen im Winterbetrieb liegen häufig in Regelung und Betrieb – nicht in neuen Investitionen.
  • Lüftung ist einer der größten Energieverbraucher im Winter, wenn sie nicht bedarfsgerecht gesteuert wird.
  • Falsch eingestellte Heizkennlinien führen oft zu Überheizung und unnötig hohem Wärmeverbrauch.
  • Unzureichend konfigurierte BMS-Systeme können ohne kontinuierliche Überwachung zu erheblichem Energieverlust führen, z. B. ohne ein EMS.
  • Transparente Energiedaten ermöglichen es, Fehler frühzeitig zu erkennen und den Betrieb gebäudeübergreifend zu optimieren.

Tipp 1

Energieverbrauch senken, indem Heizsysteme Vorrang vor Lüftung haben

Ein klassisches Winterproblem in größeren Gebäuden ist, dass die Lüftungsanlage faktisch einen großen Teil der Beheizung übernimmt. Dies geschieht selten bewusst, sondern meist aufgrund mangelnder Abstimmung zwischen Heiz- und Lüftungssystemen.

In einem gut betriebenen Gebäude sollte die Raumheizung primär über feste Heizquellen wie Heizkörper, Lufterhitzer oder Fußbodenheizung erfolgen. Das Heizregister der Lüftungsanlage sollte lediglich unterstützend eingesetzt werden. Übernimmt die Lüftung die Hauptrolle bei der Beheizung, führt dies häufig zu Komfortproblemen und unnötig hohem Energieverbrauch.

Typische Folgen eines schlechten Zusammenspiels sind:

  • Zugluft und ungleichmäßige Raumtemperaturen
  • Höherer Wärmeverbrauch als erforderlich
  • Unzufriedenheit bei den Gebäudenutzern

Die Beheizung über die Lüftung ist in der Regel nicht energieeffizient und sollte als Übergangslösung betrachtet werden – nicht als Dauerbetrieb.

Tipp 2

Lüftung bedarfsgerecht mit CO₂-Daten steuern

Viele Lüftungsanlagen in größeren Gebäuden sind bereits mit CO₂-Sensoren ausgestattet. In der Praxis werden diese jedoch häufig nur zur Dokumentation der Luftqualität genutzt – nicht als aktives Steuerungsinstrument.

Der CO₂-Gehalt liefert eine sehr genaue Aussage darüber, wann tatsächlich Lüftung benötigt wird und wie viel Luft erforderlich ist. Dennoch laufen viele Anlagen insbesondere im Winter nach festen Zeitplänen oder mit hoher Luftmenge „zur Sicherheit“.

Das führt häufig zu:

  • Direktem Abführen bereits erwärmter Luft
  • Unnötig steigendem Wärmebedarf
  • Höherem Verschleiß der Anlagen

Wird die Lüftung konsequent nach tatsächlichem Bedarf geregelt, lässt sich der Energieverbrauch senken, ohne die Raumluftqualität zu beeinträchtigen.

Tipp 3

Wärmeverbrauch durch korrekt eingestellte Heizkennlinien optimieren

Witterungsgeführte Regelung ist ein wirksames Mittel für energieeffizientes Heizen – allerdings nur, wenn die Heizkennlinie korrekt eingestellt ist. In vielen Gebäuden entspricht die Heizkennlinie noch dem historischen Zustand des Gebäudes und nicht dem aktuellen Dämmstandard oder Energiebedarf.

Häufig wurden Maßnahmen wie neue Fenster, zusätzliche Dämmung oder Dachsanierungen umgesetzt, ohne die Heizkennlinie anzupassen. Das Ergebnis ist eine Überheizung, insbesondere in milden Winterphasen, und damit unnötiger Energieverbrauch.

Auch die Platzierung der Außentemperaturfühler spielt eine entscheidende Rolle:

  • Falsche Positionierung kann zu verfälschten Messwerten führen
  • Sonneneinstrahlung kann die Vorlauftemperatur unnötig erhöhen
  • Kleine Abweichungen können über einen Winter hinweg zu erheblichem Mehrverbrauch führen

Außentemperaturfühler sollten idealerweise an einer nord- oder nordwestseitigen Fassade, im Schatten und ohne direkte Sonneneinstrahlung montiert werden, um realistische Temperaturwerte zu gewährleisten.

Heizkennlinien sollten regelmäßig an den tatsächlichen Bedarf des Gebäudes angepasst werden.

Tipp 4

Unnötigen Energieverlust durch kontinuierliche BMS-Überwachung vermeiden

Das Building Management System (BMS) steuert die technischen Anlagen eines Gebäudes, erkennt jedoch nicht automatisch ineffizienten Betrieb. Viele Probleme entstehen schleichend oder durch kleine Änderungen an den Einstellungen.

Im Winterbetrieb beobachten wir häufig:

  • Lüftung oder Kühlung im Nachtbetrieb
  • Anlagen, die lange vor Nutzungsbeginn starten
  • Gleichzeitiges Heizen und Kühlen in denselben Räumen
  • Anlagen, die nach Wartung oder Störungen unbeabsichtigt im Dauerbetrieb laufen

Ohne kontinuierliche Überwachung können solche Fehler wochen- oder monatelang bestehen bleiben. Über eine gesamte Heizperiode hinweg können selbst kleine Abweichungen zu erheblichen Mehrkosten führen.

Tipp 5

Transparenz über den Energieverbrauch mit einem Energiemanagementsystem schaffen

In größeren Gebäuden ist der Energieverbrauch zu komplex, um ihn allein durch manuelle Kontrollen oder Einzelmessungen effizient zu steuern. Heizung, Lüftung und Kühlung beeinflussen sich gegenseitig, und betriebliche Änderungen können schnell große Auswirkungen haben.

Ein Energiemanagementsystem (EMS) kann Energiedaten aus dem BMS und aus Zählern in einer zentralen Übersicht zusammenführen. Dadurch lässt sich der Energieverbrauch kontinuierlich überwachen und Abweichungen können frühzeitig erkannt werden, bevor sie zu größeren Energieverlusten führen.

Ein EMS ermöglicht unter anderem:

  • Frühzeitiges Erkennen von ungewöhnlichem Verbrauch
  • Bewertung der Wirkung betrieblicher Anpassungen
  • Transparenz über mehrere Gebäude hinweg

Für Organisationen mit vielen Gebäuden bedeutet dies, dass Probleme wie unbeabsichtigter Nachtbetrieb oder ein schlechtes Zusammenspiel von Anlagen nicht mehr unbemerkt über den gesamten Winter bestehen bleiben.

Schlussfolgerung

Die Optimierung des Energieverbrauchs im Winterbetrieb bedeutet nicht nur, die Heizung hoch- oder herunterzudrehen. Entscheidend sind das Zusammenspiel der Systeme, korrekte Regelung und ein klares Verständnis dafür, wie das Gebäude im Alltag Energie verbraucht.

Durch einen systematischen Ansatz für Heizung, Lüftung, BMS und Energiedaten können Gebäude ihren Energieverbrauch deutlich reduzieren – ohne Einbußen beim Komfort. Gerade der Winterbetrieb macht den Unterschied zwischen gutem und weniger gutem Gebäudemanagement besonders sichtbar.

FAQ: Energieoptimierung im Winterbetrieb

Durch ein abgestimmtes Zusammenspiel von Heizung, Lüftung und Regelung. Die größten Einsparpotenziale liegen häufig im Betrieb und in der Regelung, nicht in neuen Anlagen.

Hohe Luftmengen in der Lüftung, falsch eingestellte Heizkennlinien und Anlagen, die außerhalb der Nutzungszeiten laufen.

Durch das Abführen erwärmter Luft entsteht Wärmeverlust. Überlüftung erhöht daher den Heizbedarf unnötig – auch bei Anlagen mit Wärmerückgewinnung.

Die Heizkennlinie steuert die Vorlauftemperatur der Heizungsanlage in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Eine falsche Einstellung führt zu Überheizung und unnötigem Energieverbrauch.

Durch kontinuierliche Überwachung von Betriebszeiten, Temperaturen und Energieverbrauch – insbesondere außerhalb der regulären Nutzungszeiten, wo ein EMS Abweichungen sichtbar macht.

Durch den Vergleich von Energieverbrauch, Betrieb und Nutzung. Abweichungen über längere Zeiträume sind häufig ein Hinweis auf Fehler oder ineffizienten Betrieb.

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